Kammerchor Burgau e.V.

A-Cappella-Konzert:

Sonntag, 05. Mai, 18:00 Uhr
Augustinerkirche Lauingen

Chorsätze aus 5 Jahrhunderten,
u. a.  von Heinrich Schütz, Alessandro Scarlatti, Joseph Haydn
sowie Orgelwerke der entsprechenden Stilepochen
 

Kammerchor Burgau

Orgel:
Ralf Baumann

Leitung:
Herwig Nerdinger

 

Vivaldi-Konzert:

Violinkonzert N1. 1 E-Dur La Primavera (Der Frühling) aus
Le quattro Stagioni (Die vier Jahreszeiten),

Gloria in D (RV 589) für Soli, Chor und Orchester
 

Sonntag, 26. Mai, 18:00 Uhr
Stadtpfarrkirche Burgau

Kammerchor Burgau,
Sinfonietta Lamagna

Leitung:
Herwig Nerdinger

Solisten:
Katharina Mazalla-Zenk, Sopran I 
Miriam Galonska, Sopran II 
Klaus Nerdinger, Solovioline 
Birgit Nerdinger, Cembalo und Orgel

Kartenvorverkauf:
Buchhandling Hutter, Günzburg (08221 369 614)
Otto Bezikofer GmbH, Dillingen (09071 9049)
Böck Bürotechnik, Burgau (08222 2434)

Eintritt:
Normal 18,- €
Ermäßigt 9,- €

 

Im Mittelpunkt dieses Konzerts des Kammerchors Burgau steht Antonio Vivaldi, den schon sein Komponistenkollege Joh. Seb. Bach ganz offensichtlich so sehr geschätzt hat, dass er einige dessen Concerti auf die Orgel übertrug. Antonio, das älteste von neun Kindern, spielte bereits in sehr jungen Jahren im Orchester an San Marco in Venedig, wo auch sein Vater als Violinist tätig war. Im Jahre 1703 zum Priester geweiht, wurde er „Maestro di violino“, später „Maestro di concerti“ am „Pio Ospedale delle Pietá, in dem ausgesetzte und verwaiste Mädchen eine erstklassige Istrumentalausbildung erhielten. Einen beträchtlichen Teil seiner Instrumentalwerke und seiner geistlichen Vokalmusik verfasste der Maestro für ebendiese Musikerinnen, von denen der französische Gelehrte Charles de Brosses anno 1739 schrieb, sie hätten „engelsgleich“ gespielt und gesungen. Nach 1718 bereiste er, der inzwischen über die Grenzen Italiens hinaus als Violinvirtuose hohes Ansehen gewonnen hatte, ganz Europa.

In ähnlicher Weise wie Joh. Seb. Bach, dessen überragende Bedeutung nach seinem Tod nur noch einer kleinen Schar von Musikern bewusst war, wurde auch Vivaldi sehr bald vergessen. So wie der große Thomaskantor erst durch die Wiedergabe seiner Matthäuspassion durch Mendelssohn - 100 Jahre nach ihrer Erstaufführung - endgültig die gebührende Wertschätzung erfuhr, so erlebte die Musik des „prete rosso“, des rot(haarig)en Priesters Antonio Vivaldi, erst knapp 200 Jahre nach seinem Tod, aufgrund der Forschungen des italienischen Musikwissenschaftlers Alberto Gentile eine eindrucksvolle Renaissance.  

Jene vier Violinkonzerte, zusammengefasst unter dem Titel „Le quattro Stagioni“, zählen zu den beliebtesten Werken Vivaldis. Jedes dieser Concerti gibt im Wechselspiel von Orchester und virtuoser Solovioline die Stimmung der jeweiligen Jahreszeit eindrucksvoll wieder. Ein jeder „Jahreszeit“ vorangestelltes Gedicht verweist auf den Charakter der einzelnen Sätze. Ist im ersten Satz des  Frühlings („La Primavera“) anfangs Vogelgezwitscher und Geplätscher der Quellen zu hören,  stehen anschließend das Tremolo der Streicher für das Grollen des Donners und die erregten Dreiklangsfiguren der Solovioline für das Zucken der Blitze. Das Largo des zweiten Satzes führt uns eine Hirtenszene vor Augen, in der die Solovioline den Hirten in den Schlummer wiegt, während die Viola das Bellen seines Hundes imitiert. Im dritten Satz, einer Danza pastorale, entsteht durch den tänzerischen 12/8-Takt und die gelungene Nachahmung von Flöte und Dudelsack das Bild fröhlich musizierender und tanzender Hirten und Nymphen.

Neben Kyrie, Credo, Sanctus und Agnus Dei ist das Gloria ein fester Bestandteil des sog. Ordinariums der lateinischen Messfeier. Das vermutlich 1725 entstandene zwölfteilige Gloria in D, RV 589 sprengt aber ob seiner Länge den liturgischen Rahmen und war von Vivaldi mit hoher Wahrscheinlichkeit als eine in sich abgeschlossene Komposition konzipiert. Wirkungsvoll und kontrastreich wechseln  sich hier Chor- und Solopartien ab. Dabei beeindrucken die melodischen Schönheiten der Arien, die reizvolle Kontrapunktik des Duetts und die Strahlkraft der Chorsätze. Das Werk erhält zum Schluss der Komposition seine formale Geschlossenheit durch die Wiederkehr des Einleitungsgedanken, der in seinem fanfarenartigen Gestus an den dritten Satz des „Herbst“ aus den „Vier Jahreszeiten“ erinnert.

Herwig Nerdinger

 

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