Kammerchor Burgau e.V.

J.S. Bach, Weihnachtsoratorium (I-III)

Dienstag, 26. Dezember 2017, 18:00 Uhr,
Stadtpfarrkirche Burgau

Kammerchor Burgau,
Sinfonietta Lamagna

Leitung:
Herwig Nerdinger

Solisten:
Priska Eser (Sopran)
Kerstin Rosenfeldt (Alt)
Andreas Hirtreiter (Tenor)
Timo Janzen (Bass)
 

Kartenvorverkauf:
Buchhandlung Hutter, Günzburg (Tel: 08221 369 614)
Otto Bezikofer GmbH, Dillingen (Tel: 09071 9049)
Böck Bürotechnik, Burgau (Tel: 08222 2434) 

Eintritt 23 €
Ermäßigt 10 €


 

Bachs Weihnachtsoratorium: 

Kaum eine Vertonung des Berichts von der Geburt Christi ist so sehr zum Inbegriff weihnachtlicher Festesfreude geworden, wie Joh. Seb. Bachs Weihnachtsoratorium.

Dabei greift der Thomaskantor zu einem großen Teil auf eigene Kantaten weltlichen Inhalts zurück. Hatte Bach vordem mit diesen Kompositionen dem Landesherrn bzw. dessen Gattin gehuldigt, so dienen Chöre, Arien und Duette daraus nun der Verherrlichung des neugeborenen göttlichen Herrschers. Dieses sog. „Parodie-Verfahren“, die Umformung profaner zu geistlichen Gesängen, war zu jener Zeit nicht ungewöhnlich. Die musikalische Gestaltung einzelner Nummern erschließt sich deshalb oft nur in Kenntnis der Erstfassung. Die Einsatzfolge der Instrumente zu Beginn des „Jauchzet, frohlocket“ im Weihnachtsoratorium unterstrich ursprünglich den Text des Eingangschors der Geburtstagskantate BWV 213 für die sächsische Kurfürstin, wo es heißt: „Tönet ihr Pauken, erschallet Trompeten“. Das Liebesduett zwischen Herkules und der Tugend in der Kantate „Lasst uns sorgen, lasst uns wachen“, BWV 214, erklingt im Weihnachtsoratorium in einer anderen Tonart auf die Worte: „Herr, dein Mitleid“. Das erklärt, warum der Text – inhaltlich nicht zwingend - auch hier als Duett erklingt. Noch eine ganze Reihe derartiger Umgestaltungen finden sich im weiteren Verlauf der Komposition.

Genau genommen trifft die Bezeichnung „Oratorium“ für das Werk nicht zu, denn es handelt sich in Wahrheit um eine Zusammenstellung von sechs Kantaten, die in der Zeit des Jahreswechsels anno 1734/35 jeweils in den entsprechenden weihnachtlichen Gottesdiensten zur Aufführung kamen. Die Kantatenform zeigt sich deutlich an den groß angelegten Chören zu Beginn (in der zweite Kantate stattdessen eine pastorale Sinfonia) und einem kunstvoll ausgestalteten Choral am Schluss der jeweiligen Kantate. Dazwischen erklingen Rezitative, Arien und Choräle, welche die einzelnen Abschnitte der Weihnachtsgeschichte, vom Tenor als personifiziertem Evangelisten vorgetragen, theologisch vertiefen. Heißt es beispielsweise im Evangelium: „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen“, so werden wir in der sich anschließenden Arie ermahnt mit den Worten: „Schließe, mein Herze, dies selige Wunder fest in deinen Glauben ein.“

In der Tonartenfolge zeigt sich innerhalb der einzelnen Kantaten ein deutlicher Bezug auf die jeweilige Grundtonart. So kreist z. B. in der ersten Kantate das harmonische Geschehen im Wesentlichen um die Tonart D-Dur, die in Verbindung mit dem majestätischen Klang der Trompeten die himmlische Sphäre charakterisiert. Dagegen beziehen sich in der zweiten Kantate die dort erklingenden Tonarten auf G-Dur, das für die Welt des einfachen Hirtenvolks steht. Die Tonarten und der Einsatz entsprechender Instrumente verleihen den einzelnen Nummern ihre charakteristische Aura. Sind Pauken und Trompeten Symbole königlicher und hier somit göttlicher Herrschaft, so stehen die Oboen für den schlichten Klang der von Hirten gespielten Schalmeien, während die Flöten das Konzertieren der Engel wiedergeben sollen. Besonders eindrucksvoll wird das im Wechselspiel dieser Instrumente in der schon erwähnten Sinfonia zu Gehör gebracht.

Das durch seine Formenvielfalt und seinen musikalischen Ideenreichtum die Hörer in Bann ziehende Werk, erfüllt auf vollkommene Weise eine Doppelfunktion als Bericht und Bekenntnis. Nicht allein die Erzählung der Weihnachtsgeschichte, sondern vor allem die spirituelle Botschaft des Evangeliums hat Bach in eine Form gebracht, die uns immer wieder aufs Neue zutiefst berührt und beglückt.

 

Herwig Nerdinger

 

 

 

 

 

 

 

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